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Mut oder die Geschichte vom ganz persönlichen Donnerwetter

Wenn wir dann alt sind
und unsere Tage knapp,
dann erst werden wir kapieren,
wir hatten nie was zu verlieren.

<Julia Engelmann>

Manchmal merke ich , dass sich mit der zunehmenden Anzahl meiner Lebensjahre eine Eigenschaft ganz enthusiastisch nach vorne drängt. Nicht immer, aber immer öfter schlüpft sie so an mir vorbei. Lächelt mich an und ich grinse breit zurück.

Manchmal fühle ich sie gleich ganz stark. Da steht sie neben mir. Klopft mir unterstützend auf die Schulter. Treibt mich voran. Mollig umschmeichelnd wie ein harmonischer Gospelchor mit viel Soul und Funk.

Und manchmal, da schleicht sie leise daher, ganz unscheinbar wie ein Windhauch, umweht mein Näschen und brodelt erst nach dem Geschehenen spürbar nach. Donnerwetter!

Mut. Oder besser MUT! – mit Rufzeichen.

Schlage ich nach, erhalte ich zwei Definitionen für Mut.
Einerseits die, die Mut als die Fähigkeit beschreibt in einer gefährlichen Situation seine Angst zu überwinden.

Augen zu und durch!

Das kennen wir wohl alle, oder? Könnte ich jetzt viele, viele Beispiele aufzählen wie sich bei mir dieser Teil des Mutes entwickelt hat.

Und dann gibt es da aber die zweite Definition. Die ich heute deutlich stärker spüre als vor 10 Jahren. Seinerzeit. In der Zeit in der „Nächte durchmachen“ und der Begriff „ausgeschlafen“ meinerseits noch nicht vollständig und ganzheitlich erfasst werden konnte. Ja, seit der ganzen Kinderei hat sich viel getan.

Denn neben den mit stolz getragenen Tränensäcken, dem selbstbewusst angenommenen graumelierten Haupthaar und dem unverhinderbar akzeptierten Matschehirn durch chronisch gelebte Nachtportierstätigkeit im heimischen Familienbett, gibt es da noch was, was sich dank der Kinder immer mehr in mir breit gemacht hat.

Die zweite Form des Mutes nämlich – die Weiterentwicklung dessen:

Mut, als die Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält.

Niemand hat es besser geschafft als meine Kinder mich selbst zu reflektieren – in meiner Rolle als Mama, aber auch als Mensch in meiner Welt, meiner Familie, in mir selbst. Da gab und gibt es klarerweise immer wieder Zweifel, Bedenken, Hemmnisse. Aber immer mehr Mutausbrüche.
Mut zu sich selbst zu stehen.
Zu den eigenen Bedürfnissen.
Gegen Erwartungshaltungen anderer.
Und das immer mehr mit gutem Gewissen.

Kennst du es auch, dieses Gefühl in einer Entscheidung voll bei dir zu sein – die Erwartungen anderer sanft wie einen Teppich mit einem Fußstups zurückrollend an den Absender?

Oder kennst du das Gefühl der Kraft, wenn du dich stark gemacht hast für dich oder deine Kinder – in Situationen in denen es so so notwendig war andere auf deine/ihre Bedürfnisse, Rechte oder Sorgen aufmerksam zu machen. Wie es warm durch den Körper geht dieses Gefühl der Superkraft. Mut!

Keinesfalls bedeutet mutig sein immer Recht zu haben. Nur weil man sich durchsetzt ist die Wahrheit noch lange nicht auf deiner Seite. Aber hin und wieder sind die Dinge fertig analysiert, zur Genüge gedanklich sortiert und reflektiert. Und genau dann sollte er da sein. Der Mutausbruch!

Ich liebe diese entwickelte Eigenschaft. Sie tut gut. und schmeckt nach mehr. Egal, welche der zwei Varianten Mut es gerade braucht.

Für Variante eins war ich die letzten Wochen in einem Trainingslager – bei Rabenmutter Inga von Rabaukowitsch.
Die hatte einen Mantelschnitt am Start, bei dessen Anblick und Probenähaufruf ich erstmal den Impuls hatte – den nicht vorhandenen – Schwanz einzuziehen.

Habe ich nicht! Und es – ihr ahnt es bestimmt – nimmernicht bereut!

„Dunnerkiel!“ heisst das gute Stück mit der Großraumkapuze , das vorrangig auf Oilskinstoffe ausgelegt ist. Weil es damit einfach den perfekt derben Touch erhält. Es sei denn, man ist mutiger und schmeisst sich mit Gebrüll auf einen Heavy Washed Canvas, den man im Lieblingsladen von Mira entdeckt hat.

Ein paar Bedenken gab es kurz vorm Start.
Vorallem als ich ihn vor mir Liegen hatte, und der Stoff mit seinem Kampfgewicht von 475g/m² mich kurz aber heftig an unsere Dachzeltrecherche erinnerte. Blieb die Frage ob das Ding nach der Näherei frei stehen könnte, oder nicht.

Einige Tage später blicke ich stolz auf mein Mäntelchen, derb von Außen, aber wollig-seidig zart von innen. Der Parka ist perfekt! Ich liebe ihn! Genauso wie Ingas Schnitt, der wieder einmal alle Stückln spielt – genau so wie wir es aus dem Rabennest gewohnt sind.

Ich habe mich für die Pattentaschenvariante entschieden und den innenliegenden Tunnelzug durch Ösen nach außen geführt.


Ein paar kleine, feine Details durften auch noch mit eingearbeitet werden. Als Erinnerung an dieses weitere feine, mutige Nähexperiment.

Den Schnitt bekommt ihr ab heute HIER
Die wundervollen Stoffe und Kordeln von HIER
Patch von HIER
Labels von HIER (habe ich gewonnen – dank IHR)

Ihr Lieben,
Erzählt! Wie geht es euch mit dem Mut?
Heute schon den attraktiven Briefträger geküsst (hier gibts keinen! Klarstellung!), zwei verschieden färbige Socken getragen, oder gar drei?
Lasst die Sau raus mut-technisch! Das wünsche ich euch Herzen!
Habt eine feine Woche,

Anna

 

 

 

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